Rostocker rudert der Elite davon
Leipzig (OZ/sid) Stephan Krüger vom ORC Rostock hat überraschend den Langstreckentest der Ruderer auf dem Elster-Saale-Kanal gewonnen und dabei den WM-Fünften Marcel Hacker deutlich hinter sich gelassen. Für die sechs Kilometer lange Strecke benötigte der Rotschopf bei starkem Wind 22:00 Minuten und war 17 Sekunden schneller als der Top-Favorit. „Das war der absolute Kracher", freute sich Heimtrainer Meinhard Rahn über den Erfolg des 19-jährigen Junioren-Weltmeisters.
Sebastian Schmidt (Mainz) und Jochen Urban (Krefeld) sicherten sich im Zweier den Erfolg. Das Duo verwies in 20:46 Minuten die Rostocker Tom Lehmann/Felix Drahotta (20:53) auf Platz zwei. Dritte wurden Matthias Flach (Rostock) und Florian Menningen (Ratzeburg) in 20:59 Minuten.
Die Ruderer des Deutschland-Achters, die im vergangenen Jahr bei der Heim-WM in München Silber gewonnen hatten, platzierten sich nicht im Vorderfeld. „Das war eine durchwachsene Leistung", sagte Bundestrainer Dieter Grahn, während Sportdirektor Michal Müller angesichts der schwierigen Bedingungen ergänzte: „Man muss mit der Bewertung vorsichtig sein." Insgesamt kämpfen 22 Athleten um die Plätze im Achter des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) bei den Olympischen Spielen.
Die WM-Dritte Marie-Louise Dräger (ORC Rostock) wurde im Duell der Leichtgewichte Dritte hinter Laura Tibitanzel (Würzburg) und Berit Carow (Hamburg). Vier Sekunden fehlten Dräger zum Sieg. Die 26-Jährige bleibt optimistisch: „Für Peking ist noch alles im grünen Bereich."
Erschienen in der Ostseezeitung am 31. März 2008.
Geschwister machen Abitur im Doppelpack
Schüler der 12. und die 13. Klassen in MV müssen in diesem Jahr gemeinsam die Reifeprüfungen ablegen. Ein Abiturientenrekord, der auch Lehrern Prüfungsstress bringt.
Ein Run auf die Hochschulen beginnt.
Von DORIS KESSELRING
Rostock (OZ) Gestern Abend war es wieder so weit. „Mathe lernen mit Papa!“ Jeden Donnerstag müssen Robert und Johanna Straßburg Aufgaben lösen, die Vater Andreas für sie aus dem Internet gezogen hat. „Abiturvorbereitung“, erklären die Geschwister aus Huckstorf (Landkreis Bad Doberan), die in diesem Jahr gemeinsam die Prüfungen ablegen müssen. Johanna (17) in der 12., Robert (18) in der 13. Klasse des Innerstädtischen Gymnasiums (IGS) in Rostock.
Die gleiche Konstellation auch bei Familie Radtke aus Rostock: Abiturienten im Doppelpack. Hanna (19) besucht die 13., ihr Bruder Albrecht (17) die 12. Klasse. Die Geschwister schreiben das gleiche Abitur, nur ihre Wege dorthin waren verschieden. Während dieÄlteren gelassen auf ihre Schulzeit blicken, stöhnen die Jüngeren über den „Stress“, den mehr Unterricht in kürzerer Zeit mit sich bringt. Doch das Land hat es so beschlossen. Für die einen 1996/97, als die Gymnasialzeit auf 13 Jahre aufgestockt wurde, für die anderen 2002, als einem bundesweiten Trend folgend Mecklenburg-Vorpommern wieder zum 12-jährigen Abi zurückkehrte. 2008 nun wird beiden Jahrgängen gerecht. In den 13. Klassen wird zum letzten Mal ein Reifezeugnis ausgeteilt, in den 12. offiziell zum ersten Mal. Das bedeutet Abiturientenrekord: Rund 12 800 Schüler bekommen im Sommer in Mecklenburg- Vorpommern ihr Reifezeugnis – fast doppelt so viele wie in den Vorjahren.
Der doppelte Abiturjahrgang bringt doppelte Belastung – für Schüler und Lehrer. „Eigentlich müsste die Schule während der Prüfungen geschlossen werden“, meint Annett Lindner, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Beaufsichtigung der Prüfungen, nebenbei normaler Schulbetrieb, Korrektur von doppelt so viel Prüfungsarbeiten – die Lehrer hätten enormen Stress, der nach Ansicht der GEW nur „mit zusätzlich bezahlten Stunden ausgeglichen“ werden kann. Das Bildungsministerium ließ wissen, dass „kompensierende Maßnahmen für Lehrer geplant“ seien. Nach Angaben des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) wird ein entsprechender Ausgleich-Erlass im Ministerium vorbereitet.
Der Vorsitzende des Philologenverbandes MV, Jörg Seifert, plädiert für „vernünftige schulinterne Lösungen“. Die Lehrer sollten nicht gleichzeitig in 12. und 13. Klassen eingesetzt und für die Zeit der Prüfungskorrekturen von den anderen Kollegen im Unterricht entlastet werden. Denn der Aufwand ist enorm: Für die Korrektur nur einer Abiturarbeit im Leistungskursniveau würden gut drei bis vier Stunden benötigt, weiß Mathe-Lehrer Seifert. „Es ist ja keine Ergebniskontrolle, die Schüler liefern verschiedene Lösungswege.“ Auch das Durchkorrigieren von bis zu 20-seitigen Arbeiten in sprachlichen Fächern dauere Stunden.
Sie absolvieren gemeinsam das Abitur 2008: Die Geschwister Johanna (17) und Robert Straßburg (18) sowie Albrecht (17) und Hanna Radtke (19, v.li.). Die Schüler besuchen unterschiedliche Klassen des Innerstädtischen Gymnasiums in Rostock, doch dieses Jahr wird in Mecklenburg-Vorpommern sowohl in den 12. als auch in den 13. Klassen geprüft.
Die Prüfungsarbeiten sollen für alle Abiturienten identisch sein, hatte Gabriele Brick, Leiterin der Abteilung Schulen im Schweriner Bildungsministerium, auf dem 3. Landesgymnasialtag des VBE angekündigt. Das Prüfungsrisiko solle für die „Zwölfjährigen“, die mit erhöhter Stundenzahl das fehlende Jahr kompensieren mussten, keinesfalls größer sein. Johanna und Albrecht vertrauen darauf. Angst? „Nö!“
Wera Straßburg indes sieht die Prüfungszeit schon als „Belastung für die Familie“. „Doch so haben wir das Theater nur einmal“, kann die Mutter dem Doppelabitur ihrer Kinder auch Gutes abgewinnen. „Außerdem sparen wir einmal die Eintritttskarten für den Abiball“, sagt sie scherzhaft. Um die Zukunft ihrer Sprösslinge ist ihr nicht bange. Beide haben konkrete Pläne. Robert will nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr Lehramt in Dresden studieren. Johanna hat ein Freiwilliges Ökologisches Jahr vor sich und möchte sich dann eventuell für Zahnmedizin in Rostock einschreiben. Mit guten Abiturnoten „um die 2,0“ haben die Geschwister sicher gute Chancen.
Auch Hanna, die die Abiturnote 1,5 anstrebt, ist zuversichtlich. Sie will Physik in Rostock studieren. „Mathe wäre auch gut, ist mir aber doch zu trocken“, winkt die zierliche Schülerin ab. Bruder Albrecht hat sich ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege ausgesucht, und könnte sich anschließend ein Architekturstudium vorstellen. „So schlüssig bin ich mir da aber noch nicht.“
Dass die Studienplätze in den nächsten Jahren knapp werden könnten, darüber haben die Rostocker Gymnasiasten bisher nicht nachgedacht. Noch fällt der doppelte Abiturjahrgang von MV unter den bundesweit 267 000 Abiturienten auch kaum ins Gewicht. Doch die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) rechnet damit, dass schon 2011 bis zu 446 000 Schüler eine Studienberechtigung erlangen. Das sind 20 Prozent mehr als 2003. Bis 2014 erwartet die KMK gar einen Anstieg der Studierenden von derzeit fast zwei Millionen auf bis zu 2,7 Millionen. Dann kommen auch die doppelten Abiturjahrgänge der anderen Bundesländerzum Tragen. Die Studienanfängerzahlen werden für alle Hochschularten bis 2020 deutlich über dem heutigen Niveau bleiben.
Nach der Abiturientenflut aber sinkt die Zahl der Studienanfänger wieder drastisch. Langfristig wird weniger Personal an Universitäten und Hochschulen gebraucht. Bundesweit wird sich Berechnungen zufolge die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 370 000 auf 230 000 reduzieren.
Foto: Lilienthal
Erschienen in der Ostseezeitung am 11. Januar 2008.
So schön ist unsere neue Schule
Bauarbeiten im Innerstädtischen Gymnasium fast abgeschlossen / 26. Januar Tag der offenen Tür
Rostock. Verkehrsteilnehmer, die vom Vögenteichplatz in Richtung Südstadt oder zum Bahnhof wollen, können das neue Antlitz des Innerstädtischen Gymnasiums schon bewundern. Die Bauabnahme erfolgt in wenigen Wochen.
Staub und Lärmhängen in der Luft, als Musiklehrer Markus Riemer sowie die Elftklässler Oke Stückrad und Michael Knop das Innerstädtische Gymnasium am Goetheplatz betreten. Schläuche für Schleif- und Spritzmaschinen verschlingen sich auf dem Boden. „Wir liegen mit den Bauarbeiten in den letzten Zügen“, erzählt Joachim Passig, Mitarbeiter der Bauleitung der Werkgemeinschaft Goetheschule. Der 31-Jährige achtet auf den termingerechten Abschluss der Fußboden-, Parkett- und Malerarbeiten im Inneren des Gebäudes. Getreu dem historischen Vorbild wurde auf den Treppenstufen Eichenholz verlegt. Die Gänge erscheinen durch helle Farben wesentlich größer und freundlicher. Im ersten Obergeschoss klebt an einer Tür das Schild mit der Aufschrift: Endgereinigt. Betreten verboten.
Von der Empore in die Aula blicken Großes Bild: Joachim Passig zeigt Michael Knop (v.) und Oke Stückrad von der Empore Veränderungen in der 300 Quadratmeter großen Aula.
Aula behält Steinholz-Estrich
„Dieser Bauabschnitt ist komplett gereinigt.Hier dürfen auch keine Bauarbeiter mehr rein“, erklärt Passig. Durch Lautsprecher, die in die Decke eingebaut wurden, tönt schonMusik. Später kann über diese Technik nicht nur die Sekretärin Meldungen ausrufen, sondern Schüler ihr eigenes Radio gestalten. Immer wieder bleiben Michael und Oke staunend stehen und schauen sich um. „Es ist viel, viel schöner in dem Gebäude als vor den Bauarbeiten“, sagt der 17-jährige Michael.
Ein Höhepunkt der neuen Einrichtung ist die renovierte Aula. Derzeit führen Bauarbeiter Schleifarbeiten auf dem Steinholz-Estrich durch. „Durch die Verbindung mit Holz wird der Schall gedämpft“, erläutert der Bauleiter. Weiterhin gestalten Tischler gerade die Bühnenverkleidung der in zartem blaugrau gehaltenen Anhöhe. Eine Etage darüber wird die zur Aula hergerichtet.
Die zwölf Millionen Euro teure Sanierung wird aus Eigenmitteln der Stadt, demInvestitionsprogramm für Zukunft, Bildung und Betreuung sowie dem Förderprogramm zur Unterstützung von Ganztagsschulen finanziert. Langfristig werden in dem Haus 600 Schüler unterrichtet.
Metallbauer Lars Werner arbeitet im Glasturm hinter der weithin sichtbaren Uhr. Deren Anlage wurde komplett erneuert.
Alter Heizungskeller wird Theatergrube
Mittlerweile haben Lehrer Riemer und die beiden Schüler den Musik- sowie den Probenraum entdeckt. „Das ist jetzt alles viel offener und wir haben mehr Platz für unsere Technik“, sagt Oke Stückrad. Derzeit wird im Untergeschoss die neue Caféteria und der Speisesaal hergerichtet. Bei schönem Wetter können die Schüler in einem Außenbereich ihre Mahlzeiten einnehmen. Der Heizungskeller, der in diesem Bereich war, wurde entfernt. An seiner Stelle entsteht jetzt eine 70 Quadratmeter große Theatergrube.
Besucher, die sich alles anschauen wollen, haben dazu am „Tag der offenen Tür “ am 26. Januar Gelegenheit.
Nadine Schuldt
Fotos: Georg Scharnweber
Erschienen in der NNN am 7. Dezember 2007.
Historie und Moderne in einem Haus
Innerstädtisches Gymnasium mit Neuerungen
Das Gebäude wurde vom Stadtbaudirektor Gustav Wilhelm Berringer entworfen und am 5. März 1930 eröffnet. Es wurde unterteilt für Schüler des Staatlichen Lyzeums und des Oberlyzeums. Berringer hat im Stile des „Neuen Bauens“ gearbeitet und hohen Wert auf die Funktionalität des Gebäudes gelegt. Von außen soll schon die innere Nutzung abzulesen sein. Da die einzelnen Gebäudeteile und die Sporthalle kreisartig angeordnet wurden, entstand ein ruhiger Innenhof.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde der westliche Gebäudeteil als Lazarett benutzt. Trotzdem fand noch bis März 1945 Unterricht statt. Bereits wenige Monate nach Ende der Kampfhandlungenwaren Schüler in der Einrichtung wieder willkommen. In den Fünfzigern werden dieGroße Stadt- und die Goethe- zur Oberschule zusammengelegt. IndenSechzigernist nur noch die Herderschule in dem Haus. 30 Jahre später fusionieren Oberschule und Herderschule zum Gymnasium am Goetheplatz. Das Gebäude und dasDach verfielen in den Jahren immer mehr. Hier besannen sich die Architekten Ursula Jastram, Maik Buttler und Barbara Hass auf die Lösungmit demgeringsten Widerstand. Sie nahmen sich die Historie zum Vorbild. So hat auch das Dach wieder eine flache Neigung. Neu sind Rauch- und Brandschutztüren sowie die Haustechnik. Erschienen in der NNN am 7. Dezember 2007.
